Nach vielen Stunden über den Wolken setzte unser Flugzeug endlich in Neu-Delhi auf. Eigentlich sollte dies nur ein kurzer Zwischenstopp sein, bevor es weiter nach Goa ging. Doch bereits in den ersten Minuten wurde mir klar, dass Indien mich schneller überraschen würde, als ich es erwartet hatte.
Das Erste, was mir auffiel, war nicht die Architektur oder die Menschen.
Es war die Lautstärke.
Als Deutsche war ich es gewohnt, dass sich Menschen in Flughäfen eher zurückhalten. In Neu-Delhi schien das Gegenteil der Fall zu sein. Überall wurde telefoniert – fast immer auf Lautsprecher. Gespräche überlagerten sich, Handyklingeln, Durchsagen, Stimmen aus allen Richtungen. Es wirkte, als würde jeder ganz selbstverständlich in seiner eigenen Welt leben, ohne sich von der Geräuschkulisse der anderen stören zu lassen.
Für mich war das zunächst ungewohnt. Ehrlich gesagt sogar ziemlich anstrengend.
Dazu kamen die Menschenmengen. Tausende Reisende bewegten sich gleichzeitig durch den riesigen Flughafen. Ich musste mich orientieren, Schilder lesen, das richtige Gate finden und gleichzeitig versuchen, auf Englisch nachzufragen, wenn ich nicht weiterwusste. Englisch gehört nicht zu meinen größten Stärken. Trotzdem funktionierte es – irgendwie. Vielleicht gerade deshalb, weil Menschen überall auf der Welt erstaunlich hilfsbereit sein können.
Während ich mich langsam durch den Flughafen bewegte, fiel mir etwas anderes auf.
Yoga war überall präsent.
Große Elefanten, kunstvolle Yogaskulpturen, meditierende Figuren und die Begrüßung „Welcome to India" empfingen die Reisenden. Schon am Flughafen wurde deutlich, welchen Stellenwert Yoga in diesem Land besitzt. Für mich war das ein besonderer Moment. Ich war noch gar nicht in meiner Yogaschule angekommen und hatte doch bereits das Gefühl, dass ich meinem eigentlichen Ziel immer näherkam.
Als ich schließlich aus den großen Glasfronten blickte, sah ich zum ersten Mal Neu-Delhi.
Ich hatte Sonne erwartet.
Stattdessen lag eine graue Smogschicht über der Stadt. Die Luft wirkte schwer, fast diesig. Es war ganz anders, als ich Indien zuvor in meiner Vorstellung gesehen hatte. Genau diese Gegensätze machten die ersten Stunden so intensiv. Zwischen Spiritualität, Menschenmassen, Lärm und der völlig neuen Umgebung begann ich langsam zu begreifen, dass ich mich wirklich auf einem anderen Kontinent befand.
Doch das eigentliche Abenteuer sollte erst noch beginnen.
Durch die zweistündige Verspätung unseres Fluges in Frankfurt hatten wir unseren Anschlussflug nach Goa verpasst.
Plötzlich war nichts mehr selbstverständlich. Die Yogaausbildung sollte beginnen, aber wir standen zunächst ohne passende Verbindung da. Flüge mussten umgebucht werden, Informationen eingeholt und Entscheidungen getroffen werden. Für einen kurzen Moment fragte ich mich tatsächlich, ob alles noch klappen würde.
Am Ende tat es das.
Die Fluggesellschaft organisierte eine neue Verbindung und entschädigte uns sogar mit einem Upgrade in die Business Class – ein unerwarteter Lichtblick nach den turbulenten Stunden.
Allerdings brachte uns dieser Flug nicht mehr direkt an unser eigentliches Ziel. Stattdessen landeten wir am Manohar International Airport (Mopa) im Norden Goas. Von dort lagen noch fast drei Stunden Autofahrt vor uns. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie abgelegen der Ort meiner Yogaausbildung tatsächlich war.
Mit jeder Kurve entfernten wir uns weiter von Städten und Straßen. Palmen, dichter Wald und schmale Wege bestimmten zunehmend die Landschaft.
Ich wusste noch nicht, wie sehr mich die kommenden Wochen verändern würden.
Aber eines wusste ich in diesem Moment ganz sicher:
Die Reise hatte gerade erst begonnen.
Im nächsten Teil erreichen wir endlich Agonda – einen kleinen Ort im Süden Goas. Dort beginnt meine 200-Stunden-Yogalehrerausbildung, mitten im Dschungel, umgeben von Palmen und einer Ruhe, die kaum größer hätte sein können. Fortsetzung folgt …
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