Manche Reisen beginnen nicht erst mit dem Boarding am Flughafen. Sie beginnen Monate oder sogar Jahre vorher – mit einer Idee, einer Vision und dem Wunsch, den eigenen Weg konsequent weiterzugehen. So war es auch bei mir.

Mein Koffer stand schon lange vor der Abreise bereit. Immer wieder öffnete ich ihn, legte Dinge hinein, nahm andere wieder heraus und überlegte, was ich für mehrere Wochen in Indien wirklich brauchen würde. Mit jedem Tag rückte der Moment näher, an dem aus einem Gedanken Wirklichkeit werden sollte.

Am 7. Januar 2024 war es schließlich soweit. Ich machte mich auf den Weg nach Goa. Natürlich freute ich mich auf das Abenteuer. Gleichzeitig verspürte ich großen Respekt. Eine fremde Kultur, eine intensive Ausbildung, neue Menschen und mehrere Wochen fernab meines gewohnten Alltags – all das war aufregend und mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Doch genau dieses Gefühl bestätigte mich. Manchmal wissen wir, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben, obwohl wir noch nicht wissen, wohin er uns führen wird.

Diese Reise war kein Urlaub und keine spontane Entscheidung. Sie war der Beginn eines Plans, der schon lange in mir gereift war.

Als approbierte Psychologische Psychotherapeutin beschäftigte mich seit Jahren die Frage, wie Menschen nachhaltig gesünder werden können. Gespräche sind ein zentraler Bestandteil psychotherapeutischer Arbeit. Gleichzeitig erlebte ich immer wieder, dass sich psychische Belastungen nicht nur in Gedanken oder Gefühlen zeigen, sondern ebenso im Körper. Stress verändert unsere Atmung, Anspannung spiegelt sich in der Muskulatur wider und viele Menschen verlieren im Laufe ihres Lebens den Kontakt zu den Signalen ihres eigenen Körpers.

Yoga hatte mich schon lange begleitet und immer wieder beeindruckt. Je intensiver ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass hier weit mehr dahintersteckt als körperliche Übungen. Yoga verbindet Bewegung, Atmung, Meditation, Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung zu einer ganzheitlichen Praxis. Genau diese Verbindung faszinierte mich.

Ich wollte Yoga deshalb nicht nur selbst praktizieren. Ich wollte es von Grund auf lernen – mit Respekt vor seiner Herkunft und seiner jahrtausendealten Tradition. Deshalb entschied ich mich bewusst für meine erste 200-Stunden-Yogalehrerausbildung in Goa, Indien.

Mein Ziel war dabei von Anfang an eindeutig. Ich wollte nicht einfach Yogalehrerin werden. Ich wollte verstehen, wie sich die Erfahrungen aus der Yogapraxis sinnvoll und verantwortungsvoll mit meiner psychotherapeutischen Arbeit verbinden lassen. Dieser Gedanke war der eigentliche Grund meiner Reise und gleichzeitig der Beginn dessen, was heute meine therapeutische Haltung prägt.

Wenn ich heute auf den 7. Januar 2024 zurückblicke, sehe ich nicht nur eine Frau mit einem Koffer auf dem Weg nach Indien. Ich sehe den Beginn eines lange vorbereiteten Masterplans. Rückblickend weiß ich, dass ich damals weit mehr mitgenommen habe als Kleidung oder Reisegepäck. Ich brachte Neugier, Erwartungen und viele Fragen mit – und ahnte noch nicht, dass ich einige Wochen später mit weit mehr zurückkehren würde, als in einen Koffer passt.

Die Reise nach Goa war der erste Schritt. Was mich dort erwartete, sollte nicht nur meine Sicht auf Yoga verändern, sondern auch mein Verständnis davon, wie Körper und Psyche zusammenwirken und wie beide gemeinsam den therapeutischen Prozess unterstützen können.

Fortsetzung folgt …

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