Wenn wir an Selbstfürsorge denken, kommen vielen Menschen ein heißes Bad, ein Spaziergang oder ein freier Abend in den Sinn. All das kann guttun. Doch was wäre, wenn es eine Methode gäbe, die gleich mehrere wissenschaftlich belegte Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit miteinander verbindet?
Ich nenne Yoga deshalb gerne das „Schweizer Taschenmesser der psychischen Gesundheit".
Nicht, weil Yoga ein Wundermittel ist. Sondern weil es viele verschiedene „Werkzeuge" in einer einzigen Praxis vereint: Bewegung, bewusste Atmung, Achtsamkeit, Entspannung und Körperwahrnehmung. Genau diese Kombination macht Yoga aus psychotherapeutischer Sicht so interessant.
Psychische Gesundheit entsteht nicht ausschließlich im Kopf. Unser Körper, unser Nervensystem und unsere Emotionen stehen in einem ständigen Austausch. Chronischer Stress verändert beispielsweise unsere Atmung, Muskelspannung und Schlafqualität. Umgekehrt kann eine ruhige Atmung, regelmäßige Bewegung und eine verbesserte Körperwahrnehmung das emotionale Wohlbefinden positiv beeinflussen.
Die Forschung bestätigt diesen Zusammenhang. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt regelmäßige körperliche Aktivität als einen wichtigen Baustein zur Förderung der psychischen Gesundheit und zur Verringerung des Risikos für depressive Symptome und Angstbeschwerden. Yoga geht dabei über reine Bewegung hinaus, indem es zusätzlich die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper und den gegenwärtigen Moment lenkt. (Quelle: PubMed)
Auch wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen, dass Yoga depressive Symptome und Stresserleben reduzieren kann – insbesondere als ergänzende Maßnahme zu einer leitliniengerechten psychotherapeutischen oder medizinischen Behandlung. Gleichzeitig ist es wichtig, realistisch zu bleiben: Yoga ersetzt keine Psychotherapie und keine ärztliche Behandlung. Es kann diese jedoch sinnvoll unterstützen und Menschen helfen, ihre eigenen Ressourcen zu stärken. (Quelle: PubMed)
In meiner psychotherapeutischen Arbeit begegnen mir viele Menschen, die ihre Gedanken sehr gut beschreiben können, den Kontakt zu ihrem Körper jedoch verloren haben. Sie merken oft erst spät, dass ihre Anspannung zunimmt oder ihre Belastungsgrenze überschritten ist. Hier kann Yoga helfen, die Wahrnehmung für körperliche Signale wieder zu schulen. Wer früh erkennt, was der eigene Körper braucht, kann häufig auch früher gegensteuern.
Genau deshalb verstehe ich Yoga nicht als Sportprogramm, sondern als eine Form aktiver Selbstfürsorge. Regelmäßiges Üben bedeutet, sich bewusst Zeit für den eigenen Körper und das eigene Nervensystem zu nehmen – nicht erst dann, wenn Beschwerden bereits entstanden sind, sondern idealerweise auch präventiv.
Vielleicht ist genau das die größte Stärke von Yoga: Es verfolgt nicht nur ein einzelnes Ziel, sondern verbindet viele gesundheitsfördernde Wirkmechanismen miteinander. Wie ein Schweizer Taschenmesser bietet es unterschiedliche Werkzeuge, die je nach Lebenssituation hilfreich sein können.
Selbstfürsorge beginnt deshalb nicht erst in Krisenzeiten. Sie beginnt dort, wo wir lernen, unserem Körper wieder zuzuhören. Denn psychische Gesundheit entsteht nicht nur durch das Verstehen unserer Gedanken – sondern auch durch das bewusste Erleben unseres Körpers.
Ich begleite Frauen dabei, ihre innere Balance wiederzufinden – ganz konkret und persönlich.
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